Meine Heimat Im Jahre 1954 erblickte ich als kleiner Stöpsel das Licht der Welt. Ein kleiner Vorort mit dem Namen Alstedde sollte dann für längere Zeit meine erst Wohnstätte und Heimat werden. Kenner wissen jetzt natürlich sofort, dass dieser Ort zu Lünen gehört. Lünen umgeben von Waltrop, Lanstrop, Selm und auch Cappenberg. Na? Haben Sie schon eine Idee, wo das alles liegen könnte? OK, ich verrate es Ihnen. Die nächstgelegene größere Stadt ist Dortmund mit seinen 600.000 Einwohnern. Somit liegt meine Heimat Lünen am östlichen Zipfel des Ruhrgebietes, dem allseits bekannten Kohlenpott. Nur einen Steinwurf vom Münsterland und Sauerland entfernt. Da, wo man oft noch mit irgend einer Appelkitsche (altes Auto) die Gegend erkundet, da, wo der Mann noch liebvoll Fürzepupple, Knuddelbär oder Hansimänneken von seiner Frau genannt wird oder der Mann ihr ein liebevolles Föttken, Mäusi oder Schnübbelsken entgegensäuselt. Lünen, eine Stadt des Kreises Unna, gehörend zum Regierungsbezirk Arnsberg, mit ca. 87.061 Einwohnern, kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Schon im Jahre 1341 erwarb Lünen die Stadtrechte. Lange Zeit gab es um Lünen herum aber nur Bauernschaften. Erst im 19. Jahrhundert begann die Industrialisierung und das Landschaftsbild veränderte sich sehr stark. 1826 wurde die Eisenhütte Westfalia auf dem Grund und Boden des Hofes Schulze-Wethmar gegründet. Zu dieser Zeit hatte Lünen gerade mal ca. 1.500 Einwohner. Um 1880 kam der Bergbau nach Lünen und somit begann ab 1914 der Reigen der Eingemeindungen. So nach und nach kamen 1914 Lippholthausen, 1923 Gahmen, 1923 Beckinghausen, 1928 Horstmar, 1928 Brambauer , 1928 Ober- und Niederbecker und 1968 Niederaden dazu und trugen zur Erweiterung des Stadtbildes bei. Von 1928 bis 1975 war Lünen eine kreisfreie Stadt. Erst mit der Eingemeindung von Altlünen im Jahre 1975 verlor sie diese Kreisfreiheit und wurde in den neu gegründeten Kreis Unna mit eingegliedert. Es gab auch mal Versuche, zusammen mit Selm, Bork, Waltrop und Oberaden eine Großstadt zu gründen. Dies scheiterte aber in Düsseldorf und wurde letztendlich dann auch verworfen. Wie man erkennen kann, wurde aus der ehemaligen Bauernschaft eine starke industrialisierte Gegend. Zechen wie „Minister Achenbach“ und „Preußen“, das große Sägewerk „Kipper“ in Beckinghausen, die Ziegelei in Horstmar, der Preußenhafen am Dattel-Hammer-Kanal in Lünen-Süd und vieles andere gibt es zwar schon lange nicht mehr, trotzdem hat man es immer wieder verstanden, Lünen als eine immer wieder lebendige Stadt mit einer guten Industrie zu erhalten. Einige wichtige Bereiche sind jetzt: Backwarenherstellung: Kamps (Barilla) Bergbauzulieferer: Caterpillar Inc. Bucyrus International (ehemals Deutsche Bergbau Technik (DBT)) Energieerzeugung: STEAG (Kraftwerk Lünen) Entsorgung & Recycling: Remondis (vormals Rethmann) Glasproduktion: Ardagh Glass Germany GmbH Kupferrecycling: Aurubis (vormals Hüttenwerke Kayser) Softwareentwicklung: itemis AG Transport und Lagerung: Stadthafen Lünen GmbH Unterhaltungselektronik: Dream Multimedia GmbH Für die Richtigkeit übernehme ich keine Garantie, weil sich manches hier sehr schnell wandelt. Trotz aller positiven Blicke für diese Stadt darf man aber auch nicht übersehen, dass Lünen auch seine finsteren Seiten hat. Trotz aller Bemühungen (der Ausländeranteil liegt bei ca. 8.700 Einwohnern) kommt es immer wieder zu Zwischenfällen, die einen sehr nachdenklich werden lassen. Auch liegt die Arbeitslosigkeit zurzeit immer noch bei 12,3 % und es sind viele Jugendliche dabei. Das Angebot der Ausbildungsstätten muss sich hier drastisch zum positiven ändern. Trotz allem, Land und Leute sind immer noch interessant und sehenswert. Bei Spaziergängen kann man immer noch nette Leute treffen und mit ihnen Pläuschken halten und so manche Spökes erfahren. Ganz interessant wird es, wenn man auf ehemalige Püttrologen trifft und diese von ihrem ehemals liebsten Hobby, dem Kröpper-Züchten, erzählen können. Wie Sie merken können, ist die Sprache in dieser Region sehr lebendig. Aussagen wie: „Ich weiß, das ich von nix Ahnung hab“ oder „Ich bin am überlegen“ sind da harmlos und bringen hier schon lange keinen mehr aus der Fassung. Aber wenn es dann heißt: „Aufen Wühltisch inne Wollwott hamse nur noch Schlampampel“, wird es schon interessanter. Egal, ich, die Schreiberin, gehe auf jeden Fall jetzt in die Küche um mir was zu brotscheln. In der Zwischenzeit können Sie sich ja die Bilder ansehen und sich dabei vielleicht ein leggeres Bierchen picheln. Aber aufpassen dabei, nicht dat Sie hinterher wie son Brummfitz umme Laterne sich wickeln. Mit einem leichten Schmunzeln im Gesicht möchte ich mich hiermit verabschieden und wünsche Ihnen noch viel Spaß beim Betrachten meiner Heimatbilder. Vielleicht erkennen Sie ja einiges wieder.
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(C) Ingrid Wiese 2004 - 2020